Ich bin der Neue … Im Konsumsumpf

Allzeit bereit …

Überleben im Konsumsumpf

Ich lustwandle durch die Gassen der Stadt. Überall lächeln mich halbnackte Dirns und fesche Burschen auf überdimensionalen Plakaten an. Ein immerwährender Kotzreiz wüllt sich durch meine Eingeweide. Wie, wo, was ich zu kaufen vermag ist die Message. Könnt ich kaufen, will ich aber nicht – ein Kampf bis aufs Messer. Mein Konsum gib mir heute. Also Augen zu und durch. Da schrillt mein Smartphone, Message von WhatsApp – natürlich nicht ohne Hinweis, dass ich gerade am Schuhladen Müller vorbeigelatscht bin, mit aktuellen Top-Angeboten. Direktwerbung, denk ich, der neueste Horror im Marketing. Na gut, ich spiel mit, eigentlich bin ich zwar Pleite, aber ein paar Galoschen zum Schnäppchenpreis sind immer drin. Frühlingskollektion, klaro zum
absoluten Spitzenpreis. Clever wie ich bin, gleich ich die Preise flugs über Zalando ab, und siehe da……

Abgetörnt verlass ich Schuhmüller. Kaum draussen grinst mich das nächste Top-Modell an. Angewidert wend ich mich ab, seh gerade, dass meine Bahn einrollt. Ich wetze über die Strasse – puff – ein Radfahrer mit 200 Klamotten streift mich an der Schulter. Ich taumle und pralle gegen einen Biertransporter – ich nehme gerade noch wahr -‚Das Bier der Gerechten‘. Glück gehabt, denk ich, es hätte auch ein Viehtransporter sein können. Was solls, der Sturz war unvermeidlich. Ich lande unverletzt am Strassenrand. Freundliche Menschen helfen mir auf, nach meinem
Geschmack zu freundlich, verdammte Sektenbrut. Verklärte, lehre Gesichter blicken mich an. ‚Gott ist mit mir‘ hör ich die süsssäuselnde Stimme, natürlich nicht ohne mir einen Haufen Infomaterial in die Hand zu drücken. Ich nehme das Zeug an mich, in der Gewissheit, die nächste Mülltonne damit zu beglücken. Verdammt mein Zug ist auch weg. Na dann! Eigentlich könnt ich auch schnell was spachteln, hab ja nun Zeit bis zur nächsten Bahn. Da glänzt im voller Pracht ein FastFood Schnellbeschiss in unmittelbarer Nähe. Jou mään, das tust du dir an, kurz und schmerzvoll. Kaum 10 Schritte getan, Schreck lass nach, seh ich ein bekanntes Gesicht. Dieser Drecksack hat mir zig Versicherungen auf freundschaftlicher Basis aufgedrückt. Ich denke an sein schnelles Ende.
Geschickt weiche ich ihm aus, er sieht mich nicht, sein Glück, das schnelle Ende verschieb ich erstmal. Siehe da, eine Mall tut sich vor mir auf. Der totale Konsum springt mir entgegen. Alles glänzt und glitztert, das muss der falsche Film sein, denk ich. Raus hier, Flucht nach vorn. Ich gleite an gefühlten 100 Geschäften vorbei, Aktionen-Angebote-Sonderposten-Ausverkauf-Billiger-Restposten und weiss der Teufel noch alles. Ich bin platt. Verlasse die Mall und schlendere in den Park. Nein, was ist hier denn los. Grosse Bühne mit fetter Mucke – CatWalk.
Abgemakerte 16-20 jährige kriechen im dünnen Flatter über die Bretter. Mein Gott wie abgefuckt. Ich staune wie viele Mitbürger sich dieses Spektakel antun. Ein Schelm ist wer böses denkt  Mein Bedarf ist gedeckt, ab in den Untergrund. Der Eingang zur Bahn scheint erreichbar, bespickt mit abgeranzter Werbung aus den letzten 10 Jahren, schlängert sich der Gang Richtung Bahn…..

Greetings from the other side of reality

Der Neue

 

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